Bauunternehmung Förderungen und Subventionen

Mehrfamilienhaus bauen: Kosten, Preisfaktoren und Förderungen 2026

Modernes Mehrfamilienhaus mit Bauplänen und Kostenschätzungen im Vordergrund – Mehrfamilienhaus bauen: Kosten

Mehrfamilienhaus bauen: Kosten im Überblick – Erfahren Sie alles über Baukosten pro Quadratmeter, Finanzierungsmöglichkeiten und versteckte Ausgaben. Von Grundstückspreisen über Baunebenkosten bis zur Renditeberechnung: Unser umfassender Ratgeber hilft Ihnen, Ihr Mehrfamilienhaus-Projekt realistisch zu kalkulieren und wirtschaftlich erfolgreich umzusetzen.

In diesem Ratgeber

Der Bau eines Mehrfamilienhauses ist eine attraktive Investition für Bauherren, die langfristig Mieteinnahmen generieren oder selbst eine Wohneinheit nutzen und die anderen vermieten möchten. Doch bevor die ersten Baupläne in Auftrag gegeben werden, stellt sich eine zentrale Frage: Mehrfamilienhaus bauen: Kosten – wie hoch fallen diese aus und welche Faktoren beeinflussen das Budget maßgeblich? In diesem umfassenden Ratgeber beleuchten wir alle relevanten Aspekte rund um die Finanzierung, Baukosten, Preisfaktoren und verfügbare Förderungen im Jahr 2026.

Was kostet der Bau eines Mehrfamilienhauses 2026?

Die Kosten für den Bau eines Mehrfamilienhauses variieren erheblich und hängen von zahlreichen Faktoren ab. Als grobe Orientierung können Bauherren mit Baukosten zwischen 2.500 und 4.500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche rechnen. Bei einem Mehrfamilienhaus mit beispielsweise 400 Quadratmetern Wohnfläche bedeutet dies eine Gesamtinvestition von 1 bis 1,8 Millionen Euro – wobei diese Spanne je nach Ausstattung, Standort und Bauweise deutlich nach oben oder unten abweichen kann.

Ein wesentlicher Unterschied zu Einfamilienhäusern liegt in der Komplexität der Bauplanung und der technischen Infrastruktur. Mehrfamilienhaus bauen: Kosten setzen sich aus verschiedenen Posten zusammen, die sorgfältig kalkuliert werden müssen. Dazu gehören nicht nur die reinen Baukosten, sondern auch Grundstückskosten, Erschließung, Baunebenkosten, Außenanlagen und eventuell anfallende Sonderkosten für besondere Ausstattungswünsche.

Grundstückskosten und Erschließung

Der erste große Kostenblock beim Bau eines Mehrfamilienhauses ist das Grundstück. Die Preise variieren regional stark: Während in ländlichen Gebieten Bauland bereits ab 150 Euro pro Quadratmeter erhältlich ist, können in Ballungsräumen und Großstädten Preise von 800 Euro pro Quadratmeter und mehr anfallen. Für ein Grundstück mit 600 bis 800 Quadratmetern, auf dem ein Mehrfamilienhaus errichtet werden kann, sollten Bauherren je nach Lage zwischen 90.000 und 640.000 Euro einplanen.

Hinzu kommen Erschließungskosten, die oft unterschätzt werden. Diese umfassen den Anschluss an Wasser, Abwasser, Strom, Gas und Telekommunikation sowie eventuelle Straßenanbindungen. Je nach Bebauungsplan und Lage des Grundstücks können hier zusätzliche 15.000 bis 50.000 Euro anfallen. In manchen Fällen sind Grundstücke bereits vollständig erschlossen, sodass dieser Posten entfällt oder deutlich geringer ausfällt.

Baukosten nach Gebäudetyp und Ausstattung

Die reinen Baukosten für das Mehrfamilienhaus selbst machen den größten Teil der Gesamtinvestition aus. Hier unterscheidet man grundsätzlich zwischen verschiedenen Bauweisen und Ausstattungsstandards. Ein Massivbau in konventioneller Bauweise liegt preislich meist zwischen 2.800 und 3.800 Euro pro Quadratmeter. Wer sich für eine Fertigbauweise entscheidet, kann teilweise 10 bis 20 Prozent der Kosten einsparen, muss jedoch bei der individuellen Gestaltung möglicherweise Abstriche machen.

Bei der Ausstattung unterscheidet man üblicherweise drei Kategorien:

  • Einfacher Standard: 2.500 bis 3.000 Euro/m² – Standardfliesen, einfache Sanitärobjekte, Laminat, keine besonderen energetischen Maßnahmen
  • Mittlerer Standard: 3.000 bis 3.800 Euro/m² – hochwertigere Materialien, moderne Heizungsanlage, gute Wärmedämmung, Fliesen in höherer Qualität
  • Gehobener Standard: 3.800 bis 4.500 Euro/m² und mehr – Designerbäder, hochwertige Parkettböden, Smart-Home-Technologie, Aufzug, Photovoltaikanlage

Besonders bei Mehrfamilienhäusern lohnt es sich, in energetische Maßnahmen zu investieren. Denn die Nebenkosten werden für potenzielle Mieter immer wichtiger, und ein energieeffizientes Gebäude lässt sich besser vermieten und erzielt höhere Mietpreise. KfW-Effizienzhäuser der Standards 40 oder 55 sind zwar in der Anschaffung teurer, werden aber durch Förderungen attraktiv und rentieren sich langfristig.

3D-Visualisierung eines modernen Mehrfamilienhauses mit Balkonen und Garten, Mehrfamilienhaus bauen: Kosten sichtbar

Baunebenkosten nicht vergessen

Ein häufig unterschätzter Posten sind die Baunebenkosten, die etwa 15 bis 20 Prozent der Gesamtkosten ausmachen können. Zu diesen zählen:

  1. Architekten- und Ingenieurhonorare (10-15% der Bausumme)
  2. Baugenehmigung und behördliche Gebühren (0,5-1% der Bausumme)
  3. Vermessungskosten und Bodengutachten (2.000-5.000 Euro)
  4. Versicherungen während der Bauphase (Bauleistungsversicherung, Bauherrenhaftpflicht)
  5. Finanzierungskosten und Notargebühren (ca. 2% der Kaufsumme)
  6. Grunderwerbsteuer (3,5-6,5% je nach Bundesland)

Bei einem Bauvorhaben von 1,2 Millionen Euro können die Baunebenkosten also schnell 180.000 bis 240.000 Euro betragen. Diese müssen bei der Finanzierungsplanung unbedingt mit einkalkuliert werden, da sie in der Regel nicht durch Kredite mit hohem Beleihungsauslauf gedeckt werden und oft mehr Eigenkapital erfordern.

Faktoren, die die Kosten beim Mehrfamilienhausbau beeinflussen

Beim Thema Mehrfamilienhaus bauen: Kosten spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle, die das Budget nach oben oder unten treiben können. Wer diese kennt, kann gezielt Einsparpotenziale nutzen oder bewusste Investitionsentscheidungen treffen.

Standort und regionale Preisunterschiede

Die Lage des Baugrundstücks hat einen enormen Einfluss auf die Gesamtkosten. Nicht nur die Grundstückspreise unterscheiden sich regional stark, sondern auch die Baukosten selbst. In Süddeutschland, besonders in Bayern und Baden-Württemberg, liegen die Baukosten durchschnittlich 10 bis 15 Prozent höher als in strukturschwächeren Regionen Ostdeutschlands. Dies liegt an höheren Lohnkosten, größerer Nachfrage nach Bauleistungen und regional unterschiedlichen Materialpreisen.

Auch die Bebauungsdichte und baurechtliche Vorgaben variieren: In manchen Gemeinden sind nur zwei Vollgeschosse erlaubt, in anderen können vier oder mehr Etagen gebaut werden. Je mehr Wohneinheiten auf gleicher Grundfläche entstehen, desto günstiger wird der Quadratmeterpreis pro Wohnung.

Anzahl der Wohneinheiten und Gebäudegröße

Ein interessanter Aspekt beim Mehrfamilienhaus bauen: Kosten ist der Skaleneffekt. Je mehr Wohneinheiten ein Gebäude hat, desto günstiger wird tendenziell der Preis pro Quadratmeter. Ein Mehrfamilienhaus mit drei Wohneinheiten kostet pro Quadratmeter meist mehr als eines mit sechs oder acht Einheiten, da bestimmte Kosten (Treppenhaus, Aufzug, Heizungsanlage, Dach) auf mehr Fläche verteilt werden können.

Allerdings steigt mit der Anzahl der Wohneinheiten auch die Komplexität: Ab einer bestimmten Größe sind beispielsweise Aufzüge vorgeschrieben, es gelten strengere Brandschutzvorschriften, und die technische Gebäudeausrüstung wird aufwendiger. Die optimale Größe hängt daher vom individuellen Projekt ab und sollte mit einem Architekten oder Bauträger sorgfältig geplant werden.

Bauweise und Konstruktion

Die Wahl der Bauweise beeinflusst nicht nur die Kosten, sondern auch die Bauzeit und die späteren Unterhaltskosten. Die gängigsten Bauweisen für Mehrfamilienhäuser sind:

  • Massivbau (Mauerwerk): Traditionelle Bauweise mit Ziegelsteinen oder Kalksandstein, hohe Stabilität, gute Schalldämmung, lange Bauzeit, mittlere bis hohe Kosten
  • Stahlbetonbau: Besonders bei größeren Projekten üblich, sehr stabil, gute Brandschutzeigenschaften, relativ schnelle Bauzeit, mittlere Kosten
  • Holzbau/Fertigbauweise: Vorgefertigte Elemente, kurze Bauzeit, ökologisch, gute Dämmwerte, potenzielle Kosteneinsparungen, aber höhere Anforderungen an Schallschutz
  • Hybridbau: Kombination verschiedener Bauweisen, beispielsweise Stahlbetonkern mit Holzelementen, optimiert Kosten und Eigenschaften

Moderne Fertigbauweise hat in den letzten Jahren stark an Qualität gewonnen und wird zunehmend auch für Mehrfamilienhäuser eingesetzt. Die Vorfertigung in der Werkshalle ermöglicht eine wetterunabhängige Produktion und verkürzt die Bauzeit auf der Baustelle erheblich – ein Faktor, der indirekt Kosten spart.

Energetischer Standard und Haustechnik

Der energetische Standard eines Mehrfamilienhauses hat erheblichen Einfluss auf die Baukosten, aber auch auf die langfristige Wirtschaftlichkeit. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt bestimmte Mindeststandards vor, doch viele Bauherren entscheiden sich für darüber hinausgehende Effizienzklassen:

  • GEG-Standard: Gesetzlicher Mindeststandard, Basiskosten
  • KfW-Effizienzhaus 55: Etwa 5-8% Mehrkosten, aber Fördermöglichkeiten
  • KfW-Effizienzhaus 40: Etwa 10-15% Mehrkosten, höhere Förderungen, deutlich geringere Betriebskosten
  • Passivhaus: Etwa 15-20% Mehrkosten, minimale Heizkosten, besonders attraktiv für umweltbewusste Mieter

Bei der Haustechnik stehen verschiedene Heizsysteme zur Auswahl: Gas-Brennwerttechnik, Wärmepumpen, Fernwärme oder Pelletheizungen. Zukunftsorientierte Lösungen wie Wärmepumpen in Kombination mit Photovoltaik werden 2026 besonders interessant, da sie nicht nur ökologisch sinnvoll sind, sondern auch durch staatliche Programme gefördert werden. Eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher kostet zwar initial 15.000 bis 40.000 Euro zusätzlich, kann aber die Betriebskosten des Gebäudes signifikant senken und die Vermietbarkeit erhöhen.

Ausstattung und Sonderwünsche

Die Innenausstattung bietet großes Potenzial für Kostenvariationen. Während bei einfacher Ausstattung Standardfliesen, Laminatböden und Basic-Sanitärobjekte zum Einsatz kommen, können bei gehobener Ausstattung schnell zusätzliche 200 bis 400 Euro pro Quadratmeter anfallen. Zu den kostentreibenden Ausstattungsmerkmalen gehören:

  • Aufzugsanlage: 40.000 bis 80.000 Euro je nach Größe und Qualität
  • Tiefgarage oder Untergeschoss: 15.000 bis 30.000 Euro pro Stellplatz
  • Balkonverglasungen: 3.000 bis 8.000 Euro pro Balkon
  • Smart-Home-Systeme: 2.000 bis 5.000 Euro pro Wohneinheit
  • Hochwertige Fußbodenheizung: 50 bis 80 Euro pro m² zusätzlich
  • Designerbäder mit hochwertigen Armaturen: 8.000 bis 15.000 Euro pro Badezimmer

Bei der Planung sollten Bauherren abwägen, welche Ausstattungsmerkmale für die Zielgruppe der späteren Mieter wirklich relevant sind. In urbanen Lagen mit hoher Nachfrage rechtfertigen sich höhere Investitionen eher als in ländlichen Regionen.

Detaillierte Kostenaufstellung am Beispiel

Um das Thema Mehrfamilienhaus bauen: Kosten greifbarer zu machen, hier eine exemplarische Kostenaufstellung für ein Mehrfamilienhaus mit 6 Wohneinheiten, 480 m² Wohnfläche, mittlerem Ausstattungsstandard und KfW-55-Standard in mittlerer Stadtlage:

  • Grundstück (600 m²): 180.000 Euro
  • Erschließung: 25.000 Euro
  • Baukosten (480 m² × 3.400 Euro/m²): 1.632.000 Euro
  • Außenanlagen und Stellplätze: 45.000 Euro
  • Baunebenkosten (15%): 245.000 Euro
  • Grunderwerbsteuer (5%): 9.000 Euro
  • Notar und Grundbuch: 8.000 Euro
  • Finanzierungskosten: 12.000 Euro

Gesamtkosten: 2.156.000 Euro

Dies entspricht etwa 4.492 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche – ein realistischer Wert für ein solides Mehrfamilienhaus mit guter Ausstattung und modernem energetischem Standard. Je nach Region und individuellen Anpassungen kann dieser Wert natürlich variieren.

Mehrfamilienhaus bauen: Kosten sichtbar – Rohbau mit Gerüst, Kran und Arbeitern auf mehrgeschossiger Baustelle

Förderungen und Finanzierungsmöglichkeiten 2026

Ein entscheidender Aspekt beim Mehrfamilienhaus bauen: Kosten sind die verfügbaren Förderprogramme und Finanzierungsmöglichkeiten. Im Jahr 2026 stehen Bauherren verschiedene staatliche und regionale Förderungen zur Verfügung, die die Investitionskosten deutlich reduzieren können.

KfW-Förderung für energieeffiziente Mehrfamilienhäuser

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet auch 2026 attraktive Förderprogramme für den Neubau energieeffizienter Mehrfamilienhäuser. Das Programm „Klimafreundlicher Neubau“ (KFN) richtet sich speziell an Wohngebäude, die den KfW-Effizienzhaus-40-Standard mit Nachhaltigkeitsklasse erreichen.

Die Förderkonditionen umfassen:

  • Kredite bis zu 150.000 Euro pro Wohneinheit
  • Zinssätze deutlich unter Marktniveau (ca. 0,5-1,5% p.a.)
  • Tilgungszuschüsse bis zu 5% der Darlehenssumme bei besonders nachhaltigen Gebäuden
  • Zusätzliche Boni für den Einsatz erneuerbarer Energien

Für unser Beispiel-Mehrfamilienhaus mit 6 Wohneinheiten könnte dies einen KfW-Kredit von bis zu 900.000 Euro zu günstigen Konditionen bedeuten. Der Tilgungszuschuss würde bei Erfüllung aller Kriterien bis zu 45.000 Euro betragen – ein erheblicher finanzieller Vorteil.

BAFA-Förderung für Heizungstechnik

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert den Einbau klimafreundlicher Heizungssysteme auch in Mehrfamilienhäusern. Besonders attraktiv sind die Zuschüsse für:

  • Wärmepumpen: bis zu 40% der förderfähigen Kosten
  • Biomasseheizungen (Pellets): bis zu 35% Förderung
  • Solarthermieanlagen: bis zu 30% Zuschuss
  • Hybridheizungen: gestaffelte Förderung je nach Kombination

Bei einer Investition von 60.000 Euro für eine moderne Wärmepumpenanlage könnte die BAFA-Förderung somit bis zu 24.000 Euro betragen. Diese Zuschüsse werden direkt ausgezahlt und müssen nicht zurückgezahlt werden, was sie besonders attraktiv macht.

Regionale Förderprogramme

Zusätzlich zu bundesweiten Programmen bieten viele Bundesländer, Kommunen und Stadtwerke eigene Fördermöglichkeiten an. Diese können umfassen:

  • Zuschüsse für den Bau von bezahlbarem Wohnraum
  • Vergünstigte Grundstücke bei kommunalen Bauträgerprojekten
  • Förderkredite der Landesbanken mit reduzierten Zinssätzen
  • Zuschüsse für Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher
  • Prämien für barrierefreies Bauen

Bauherren sollten sich frühzeitig bei ihrer Kommune und dem zuständigen Landesministerium über verfügbare Programme informieren, da diese oft zeitlich begrenzt oder an bestimmte Bedingungen geknüpft sind.

Steuerliche Vorteile und Abschreibungen

Neben direkten Förderungen bieten sich bei vermieteten Mehrfamilienhäusern erhebliche steuerliche Vorteile. Die wichtigsten sind:

  • Lineare Abschreibung: 2% der Anschaffungskosten des Gebäudes (ohne Grundstück) können jährlich über 50 Jahre abgeschrieben werden
  • Degressive Abschreibung: Bei Neubauten teilweise 5% in den ersten Jahren (je nach aktueller Gesetzeslage)
  • Sonderabschreibungen: Für bestimmte Objekte zusätzlich bis zu 5% in den ersten 4 Jahren möglich
  • Werbungskosten: Alle mit der Vermietung zusammenhängenden Kosten (Zinsen, Instandhaltung, Verwaltung) sind steuerlich absetzbar

Diese steuerlichen Vorteile machen Mehrfamilienhäuser zu einer attraktiven Kapitalanlage und verbessern die Rendite erheblich. Ein Steuerberater sollte frühzeitig in die Planung einbezogen werden, um alle Möglichkeiten optimal zu nutzen.

Finanzierungsstrategien für Mehrfamilienhäuser

Die Finanzierung eines Mehrfamilienhauses unterscheidet sich grundlegend von der eines Einfamilienhauses. Aufgrund der höheren Investitionssummen und der Mieteinnahmen, die zur Tilgung beitragen, gelten andere Kriterien und Strategien.

Eigenkapitalquote und Beleihungswert

Banken erwarten beim Mehrfamilienhaus bauen: Kosten in der Regel eine Eigenkapitalquote von mindestens 20 bis 30 Prozent der Gesamtinvestition. Bei unserem Beispielprojekt mit 2,156 Millionen Euro wären das 430.000 bis 650.000 Euro Eigenkapital. Diese hohe Quote ist notwendig, da Banken bei Investitionsobjekten konservativer kalkulieren als bei selbstgenutzten Immobilien.

Der Beleihungswert wird bei Mehrfamilienhäusern nach dem Ertragswertverfahren ermittelt, das heißt, die zu erwartenden Mieteinnahmen fließen in die Bewertung ein. Je höher die nachhaltigen Mieteinnahmen, desto besser die Finanzierungskonditionen. Ein gut vermietetes Mehrfamilienhaus in guter Lage kann daher unter Umständen auch mit geringerem Eigenkapital finanziert werden als eines in strukturschwacher Region.

Kombination von Darlehen und Fördermitteln

Eine optimale Finanzierungsstrategie kombiniert verschiedene Bausteine:

  1. KfW-Förderdarlehen: Bis zu 150.000 Euro pro Wohneinheit zu günstigen Konditionen als Basis
  2. Bankdarlehen: Klassisches Annuitätendarlehen für den Hauptteil der Finanzierung
  3. Bauspardarlehen: Für langfristige Zinssicherheit in einer späteren Phase
  4. Eigenkapital: Mindestens 20-30% der Gesamtkosten
  5. BAFA-Zuschüsse: Direkte Zuschüsse für Heizungstechnik, die das erforderliche Fremdkapital reduzieren

Durch geschickte Kombination lassen sich Zinskosten minimieren und die Gesamtfinanzierung optimieren. Wichtig ist, verschiedene Angebote einzuholen und die Konditionen genau zu vergleichen. Dabei spielen nicht nur die Zinssätze eine Rolle, sondern auch Tilgungsoptionen, Sondertilgungsmöglichkeiten und Zinsbindungsfristen.

Mieteinnahmen in die Kalkulation einbeziehen

Ein großer Vorteil bei der Finanzierung von Mehrfamilienhäusern sind die Mieteinnahmen, die bereits während der Tilgungsphase zur Verfügung stehen. Bei unserem Beispielprojekt mit 6 Wohneinheiten à durchschnittlich 80 m² und einer angenommenen Kaltmiete von 12 Euro/m² ergeben sich monatliche Mieteinnahmen von 5.760 Euro oder 69.120 Euro jährlich.

Nach Abzug von Bewirtschaftungskosten (ca. 25-30% für Instandhaltung, Verwaltung, Mietausfallwagnis, Versicherungen) verbleiben etwa 48.400 bis 51.800 Euro jährlich für die Finanzierung. Dies entspricht monatlichen Raten von gut 4.000 Euro, die zur Tilgung des Darlehens zur Verfügung stehen. Bei einer Finanzierungssumme von 1,5 Millionen Euro (nach Abzug von Eigenkapital und Förderungen) und einem Zinssatz von 3,5% p.a. mit 2% Tilgung würde die monatliche Rate etwa 6.875 Euro betragen. Die Differenz von rund 2.875 Euro müsste aus anderen Einnahmen oder Rücklagen gedeckt werden.

Diese Rechnung zeigt: Mehrfamilienhäuser können sich teilweise selbst tragen, erfordern aber in der Regel einen gewissen Kapitaldienst aus eigenen Mitteln, besonders in den ersten Jahren. Mit steigenden Mieten und fortschreitender Tilgung verbessert sich die Situation kontinuierlich, bis das Objekt irgendwann vollständig aus den Mieteinnahmen finanziert wird.

Helles Wohnzimmer in modernem Mehrfamilienhaus mit großen Fenstern und Holzfußboden – Mehrfamilienhaus bauen: Kosten

Spartipps beim Bau eines Mehrfamilienhauses

Auch wenn beim Thema Mehrfamilienhaus bauen: Kosten hohe Summen im Raum stehen, gibt es durchaus Einsparpotenziale, ohne die Qualität zu gefährden:

Optimierte Grundrissplanung

Eine durchdachte Grundrissplanung kann Baukosten erheblich reduzieren. Kompakte Baukörper mit effizienter Flächennutzung sind günstiger als verwinkelte Grundrisse. Auch die zentrale Anordnung von Versorgungsschächten für Wasser, Heizung und Lüftung spart Material und Installationskosten. Ein erfahrener Architekt kann hier wertvolle Optimierungen vornehmen, die sich direkt in niedrigeren Baukosten niederschlagen.

Standardisierung und Typisierung

Wenn alle Wohnungen eines Mehrfamilienhauses ähnliche Grundrisse haben, lassen sich Planungs- und Baukosten reduzieren. Handwerker können sich auf wiederkehrende Arbeitsschritte einstellen, Materialien können in größeren Mengen eingekauft werden, und die Bauabläufe sind effizienter. Gleichzeitig bleiben durch unterschiedliche Orientierungen, Geschosse und Ausstattungsvarianten dennoch individuelle Wohnungen möglich.

Eigenleistung in Grenzen einbringen

Während bei tragenden Bauteilen und komplexen technischen Installationen unbedingt Fachfirmen beauftragt werden sollten, können Bauherren mit handwerklichem Geschick bei Malerarbeiten, Bodenbelägen oder Außenanlagen selbst Hand anlegen. Bei einem Mehrfamilienhaus sind die Einsparpotenziale durch Eigenleistung allerdings begrenzter als bei einem Einfamilienhaus, da der Umfang der Arbeiten professionelle Organisation erfordert. Dennoch können so 20.000 bis 50.000 Euro gespart werden.

Günstige Bauzeit wählen

Wer zeitlich flexibel ist, kann durch die Wahl einer günstigen Bauzeit Kosten sparen. In den Wintermonaten sind Bauunternehmen oft weniger ausgelastet und gewähren höhere Rabatte. Allerdings müssen dann Mehrkosten für Frostschutzmaßnahmen einkalkuliert werden. Optimal ist häufig ein Baubeginn im Frühjahr mit Fertigstellung im Herbst.

Vergleichsangebote einholen

Vor Beauftragung sollten für alle wesentlichen Gewerke mindestens drei Vergleichsangebote eingeholt werden. Die Preisunterschiede können erheblich sein – bei gleicher Leistung sind Abweichungen von 15 bis 30 Prozent keine Seltenheit. Dabei sollte nicht nur der Preis, sondern auch Referenzen, Gewährleistung und Zahlungsmodalitäten verglichen werden.

Wirtschaftlichkeitsberechnung und Rendite

Beim Mehrfamilienhaus bauen: Kosten sollte immer auch die langfristige Wirtschaftlichkeit betrachtet werden. Eine überschlägige Renditeberechnung hilft bei der Entscheidung, ob sich die Investition lohnt.

Mietrendite berechnen

Die Bruttomietrendite errechnet sich aus den Jahreskaltmieten dividiert durch die Gesamtinvestition. In unserem Beispiel:

69.120 Euro (Jahreskaltmiete) / 2.156.000 Euro (Gesamtinvestition) = 3,2% Bruttomietrendite

Die Nettomietrendite berücksichtigt die Bewirtschaftungskosten und liegt meist bei 2,0 bis 2,5 Prozent. Dies mag auf den ersten Blick wenig erscheinen, doch durch den Leverage-Effekt der Fremdfinanzierung, steuerliche Vorteile und Wertsteigerung des Objekts ergibt sich oft eine deutlich höhere Eigenkapitalrendite von 5 bis 8 Prozent und mehr.

Wertsteigerung und Inflationsschutz

Immobilien gelten als inflationsgeschützte Sachwerte. Bei einer durchschnittlichen Wertsteigerung von 2 bis 3 Prozent jährlich erhöht sich der Objektwert unseres Beispiels in 10 Jahren um etwa 430.000 bis 645.000 Euro. Gleichzeitig steigen in der Regel auch die Mieten mit der Inflation, was die laufenden Einnahmen verbessert und die Finanzierung leichter macht.

Steuerliche Gesamtbetrachtung

Durch Abschreibungen, Werbungskosten und Zinsabzug entstehen in den ersten Jahren oft steuerliche Verluste, die mit anderen Einkünften verrechnet werden können. Dies reduziert die Steuerlast und verbessert die Liquidität. Nach vollständiger Tilgung steht die volle Nettomiete zur Verfügung – ein wertvoller Baustein für die Altersvorsorge.

Fazit: Mehrfamilienhaus bauen lohnt sich bei guter Planung

Das Thema Mehrfamilienhaus bauen: Kosten ist komplex und erfordert sorgfältige Planung. Mit Gesamtinvestitionen zwischen 1 und 2,5 Millionen Euro für kleinere bis mittlere Objekte handelt es sich um substanzielle finanzielle Vorhaben. Doch bei richtiger Kalkulation, Nutzung aller Fördermöglichkeiten und durchdachter Finanzierungsstrategie stellen Mehrfamilienhäuser eine lohnende Investition dar.

Die wichtigsten Erfolgsfaktoren sind: realistische Kostenplanung mit ausreichenden Reserven, Nutzung von KfW- und BAFA-Förderungen, energieeffiziente Bauweise für niedrige Betriebskosten und attraktive Vermietung, professionelle Begleitung durch Architekten und Steuerberater sowie eine solide Finanzierung mit ausreichend Eigenkapital. Wer diese Punkte beachtet, schafft nicht nur Wohnraum, sondern auch einen wertvollen Vermögensbaustein für die Zukunft.

Im Jahr 2026 bieten sich durch staatliche Klimaschutzprogramme und den anhaltenden Bedarf an Wohnraum besonders gute Rahmenbedingungen für den Bau von Mehrfamilienhäusern. Die Investition erfordert zwar Mut und Kapital, kann sich aber langfristig durch stabile Mieteinnahmen, Wertsteigerung und steuerliche Vorteile bezahlt machen. Eine frühzeitige und umfassende Planung ist dabei der Schlüssel zum Erfolg.

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